Haben Oldtimer eine Zukunft?

Hier gehören übergreifende Themen wie z. B. der Wartungsplan vor dem Winterschlaf hinein.

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BrauseTiger
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Re: Haben Oldtimer eine Zukunft?

#16

Beitrag von BrauseTiger »

Hallo zusammen,

meines Erachtens wird in diesem Thread eine berechtigte Frage gestellt und ich werde versuchen meinen Beitrag so objektiv wie möglich zu gestalten. Aus umweltpolitischer Sicht, bin ich derselben Ansicht wie Andreas es in seinem Beitrag schildert aber wenn bei Sondierungsgesprächen der kommenden Ampelkoalition von „tief hängenden Klimafrüchten wie Tempo 130 auf der AB, die gepflückt werden müssen“ gesprochen wird, merkt man erst in welche Richtung und mit welcher Geschwindigkeit sich das alles entwickelt.

Ich würde mich mit nun 33 Jahren immer noch der jüngeren Oldtimerbesitzer- Gemeinde zurechnen. Das Auto ist wohl vielen aus dem Beitrag „die Motorbremse bekannt“, der dann im Februar 2018, gänzlich ohne mein Zutun, dieses Forum etwas gespalten hat. Fakt ist, das Fzg. ist immer noch nicht fertig, die getauschte Karosse ist nun beim Lackierer, Motor (2,7l mit kommender EFI) Getrag 5-Gang Getriebe, frisch überholtes Diff und der überholter Rahmen warten bereits… Ich dachte nie, dass mich dieser Haufen Schrott am Ende so viel Geld kosten würde, schon mehrfach war ich kurz davor aufzugeben aber das wenige Geld, dass ich für ein halbfertiges Auto bekommen würde, hält mich bis heute davon ab abzubrechen. Hätte ich es vorher gewusst, hätte ich so ein Projekt nie gestartet. Aber mittlerweile ist es fraglich, ob ich überhaupt noch etwas bekomme, selbst wenn das Auto fahrbereit ist. Sollte das Auto tatsächlich irgendwann fertig sein, werde ich einen gesonderten Beitrag hier im Forum schreiben.

Auch die wachsende Angst, dass ich wahrscheinlich nicht mehr sehr lange in meinem Beruf arbeiten kann, stärkt meinen Gedanken eher alles was ich habe in Kryptowährung, etc. zu stecken, um in 5 Jahren vielleicht gar nicht mehr arbeiten zu müssen oder alles zu verlieren aber dann komme ich ja zum Glück in den Genuss unseres sozialen Netzes, Geld genug scheint ja vorhanden zu sein...

Dass die Oldtimerei das Handwerk stärkt, sehe ich etwas anders. Die Preise sind, meinen Erfahrungen nach exorbitant hoch (wer will schon an nem TR schrauben, wenn er den Jaguar-/Porsche-/usw. Kunden das 5-Fache abziehen kann) und Fachleute sind selten, außerdem verstärkt die Globalisierung die minderwertige Ersatzteilindustrie aus Indien und Fernost.

Ja, es gibt jüngere Menschen, die sich für historische Fahrzeuge interessieren aber diese Anzahl ist vernachlässigbar, da die wenigsten das Geld oder den Platz haben und somit eine Anschaffung erst gar nicht in Betracht ziehen. Außer man erbt oder Daddy regelt alles, was bei mir jedoch ebenfalls nicht der Fall ist. Außerdem rückt der Besitz von Dingen, in diesem Fall auch etwas dass Statussymbolcharakter wie ein Auto hat, immer weiter in den Hintergrund und bei dem Stress, den dieser Müll machen kann, bin ich derselben Ansicht, dass weniger oft mehr ist. Als Monteur bin ich weltweit unterwegs und meinen Beobachtungen zufolge interessieren sich junge Leute für Jetset, Social Media und evtl. einen stylischen Haarschnitt und auf die Fridays for Future Demo wird mit dem gemieteten E-Scooter gefahren…

Klar, wenn ich nun Rentner wäre und meinen Motor überholen müsste, um nochmal 5 Jahre fahren zu können, würde ich das tun aber jetzt in einen TR oder einem Fzg. derselben Preisklasse zu investieren sollte wohlüberlegt sein. Ich selbst habe keinen Dienstwagen, sondern bekomme jede Woche ein anderes Mietfahrzeug. Ich wohne in der Innenstadt und erledige alles mit dem Fahrrad oder ÖPNV, auch aus Effizienzgründen. Mein anderes Cabrio (MX5 NB Turbo) habe ich dieses Jahr 1x vollgetankt und bin kurz davor, es zu verkaufen… Vielleicht ist es auch nicht mehr zeitgemäß aus Spaß Benzin zu verbrennen, zum guten Ton wird es schon sehr bald nicht mehr gehören, zumindest in Deutschland und ganz klar ist, dass diese „paar Liter Sprit“ überhaupt keine Auswirkungen auf das Klima haben werden.

Es wird interessant, welche und wie schnell jene Änderungen nach dem Regierungswechsel durchgesetzt werden. Gerade sitze ich in einem Café in Passau und kann leider die Gespräche, der ganz klar überbeschäftigten Studenten hier nicht überhören… Woher kommen diese Ansichten nur? Sie sind m.E. ganz klar dem behüteten Leben im Elternhaus im absoluten Überfluss geschuldet. Aber vielleicht ist das eben jener Generationenkonflikt und diese Veränderung gilt es zu akzeptieren.

Grüße Raphael
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Re: Haben Oldtimer eine Zukunft?

#17

Beitrag von TR6-72 »

Hallo Raphael,

ich habe im letzten Jahrhundert "Sontags"fahrverbote erlebt. Ich kann Dich verstehen und die Veränderungen werden schneller kommen als mancher denkt. Aber davon lass ich mir den Spaß am "klassischen" Auto nicht nehmen. TR(6) fahren ist 50-iger Jahre Feeling. Da wurde ich geboren. Und für Dich sind das nochmal 30 weitere Jahre. Respekt!
:drive:

Grüße aus Westfalen
Dieter
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Re: Haben Oldtimer eine Zukunft?

#18

Beitrag von BrauseTiger »

Hallo zusammen,

damit das klar ist, ich möchte hier NIEMANDEM schaden bzw. das Hobby Oldtimer schlecht reden. Ich wollte hier meine Meinung zu diesem Thema kritisch aber objektiv schildern. Mir bzw. uns allen geht es sehr gut, während sehr viele Menschen im nicht fernen Ausland keinen Zugang zu Bildung oder sogar evtl. nicht einmal genug zu essen haben, was ich selbst schon auf diversen Dienstreise erlebt habe. In meinem Alltag, während Kontakt mit Kunden im Maschinenbau, spüre ich eine wachsende Zukunftsangst, das beginnt schon beim mangelnden Angebot und daher teuren Rohmaterialien. Diese Preise werden weitergegeben und wir dadurch nicht mehr wettbewerbsfähig, egal ob diese Kunden nun Automobilzulieferer sind oder in einem unabhängigen Geschäftsbereich operieren. Es wird sich schneller etwas ändern, als wir denken. Wer hätte im Jahre 2000 gedacht, welche Fortschritte die Informationstechnologie gemacht hat...
Leider stehe ich seit frühester Kindheit auf Autos und nun kann ich mir einige dieser Träume erfüllen, mit dem Besitz geht aber auch Verantwortung einher, egal welcher Art. Unsere Politik hat mir meine Lust am Automobil mit Verbrennungsmotor genommen und das ist scheisse.

Grüße Raphael
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Re: Haben Oldtimer eine Zukunft?

#19

Beitrag von hneuland »

n'abend,
Raphael's erster Beitrag zeigt sehr gut, wie generationenabhängig viele Themen unserer Zeit behandelt, zumindest diskutiert werden. Da ich - Bj. 43 - schon einige Generationen hab' kommen und auch wieder gehen sehen, kann ich sagen dass dies noch nie so polarisierend geschah wie aktuell. Hätte ich mich immer der jeweiligen Mode angepasst oder wäre den Hypes nachgelaufen, die gerade in waren wüsste ich gar nicht mehr was denn gerade "angesagt" ist...
Stets wurde von "notwendiger Veränderung", manchmal gar revolutionär Neuem gefaselt. Auch heute wird mal wieder eine neue Weltordnung heraufbeschworen um das Klima zu retten oder sonstwas.
O.K. eine jede Generation will und muss ihre Daseinsberechtigung finden. Was leider aber nicht so gesehen wird Funktionierendes und Bestehendes zu erhalten sondern es eher und immer wieder in Frage zu stellen. Neues muss her, dabei haben schon die Wissenschaftler vom Club of Rome in den 1960ern die Grenzen des Wachstums aufgezeigt. Aber niemand hat hingehört, bzw. nur das für ihn gerade Passende herausgesucht.
Doch noch keine Generation habe ich als so ichbezogen und egoistisch erlebt wie die aktuelle (so wie Raphael das im letzten Absatz auch beschreibt). Stand früher im Mittelpunkt "meinem Kind soll es mal besser gehen" geht's heute nur noch um die eigene Zukunft, die Karriere. Nur bitte nachhaltig und nicht zu Lasten der Umwelt. Um das "Wie" haben sich die Politiker zu kümmern, das geht mich nix an solange der Strom für mein Smartphone in der Steckdose zur Verfügung steht...
Vielleicht bisschen dick aufgetragen? Jedenfalls passt der Oldimer - um zum Thema zurückzufinden - nicht mehr in diese Welt. Da muss was Neues her - autonomes Fahren oder so. Wozu und für wen steht nicht zur Disposition, Hauptsache Veränderung. Und die Nischen werden immer enger. Auch die für unsere Hobbies!
Aber aufgepasst! Die neuen Regelungen machen sowieso ganz andere, vermutlich China mit seiner stringenten Ordnungs- und Machtpolitik.
Lasst uns also unsere Zeit noch genießen, solange dies geht, unsere alten Karren "am Fahren" halten und überlasst das Geschwätz von der neuen Zeit Anderen.
Grunß
Horst
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Re: Haben Oldtimer eine Zukunft?

#20

Beitrag von darock »

BrauseTiger hat geschrieben: 12.10.2021, 19:27 Hallo zusammen,

damit das klar ist, ich möchte hier NIEMANDEM schaden bzw. das Hobby Oldtimer schlecht reden.

….

Unsere Politik hat mir meine Lust am Automobil mit Verbrennungsmotor genommen und das ist scheisse.

Grüße Raphael
Ist halt einfach es auf andere zu schieben. Der einzige der sich DEIN Hobby schlecht redet bist DU.

Wieso muss man sich das versauen lassen? Bzw wieso sollte ich mir mein Hobby versauen lassen?

Ich hatte wenig Zeit für meinen TR neben Kind und Arbeit.
Ich arbeite in der Entwicklung von Elektrofahrzeugen weil es ein unendlich spannendes Thema ist.

Habe ich Freude am TR? JA!!! So viel wie seit Jahren nicht mehr!

Interessiert mich nicht mal annähernd was die Politiker meinen weil der Lobbymüll den die absondern geht auf keine Kuhhaut. Und zwar in beide Richtungen.

Mag ich Erdöl? Ja klar, habe das sogar studiert. Es ist ein viel zu cooler Rohstoff um ihn zu verbrennen und zu einem stabilen wertlosen Gas (plus diverse giftige Nebenprodukte) zu machen das noch dazu Probleme verursacht die keiner mehr wegdiskutieren kann.

Fahre ich trotzdem mit meinem TR unbekümmert? Natürlich. Selbst wenn der Kübel mit den Weber 30l säuft ist das bei 1000km im Jahr ein lachhafter Anteil am gesamt. Ich lebe dafür sonst sehr bewusst.

Eigentlich finde ich es nur super, dass sich jeder freut über die alten Autos. Sonst schauen doch alle nur mehr böse und genervt. Jedes Lächeln ist fast schon abnormal. Die Medien zeigen nur leid, verderben und Missgunst. Vor allem in den letzten 18 Monaten.

Nicht mit mir :)

Bernhard
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Re: Haben Oldtimer eine Zukunft?

#21

Beitrag von Kamphausen »

Bibo hat geschrieben: 12.10.2021, 12:47 Hallo,

dann ist es doch sinnvoller und wirtschaftlicher, für die noch verbleibende Zeit in der Oldtimer noch so wie wir es kennen bewegt und benutzt werden dürfen, einen gut erhaltenen oder gut restaurierten Oldtimer zu kaufen, als viel Zeit und mehrere zehntausend (oder hunderttausend) Euro in eine aufwendige Restaurierung zu investieren. Dieses natürlich in Verbindung mit allen negativen Konsequenzen für das Umfeld, Handwerk, Werkstätten und Menschen welche die Oldtimerei begleiten.

Gruß
Bibo
Naja...für manche ist ja das Schauben das Hobby...Also ich mit dem Spitfire fertig war, hab ich ihn nach ausgiebigem Probefahren verkauft...

Man muß sich halt nur vorher Überlegen, was es einem Wert ist...oder einem späteren Käufer....

Restauriert man nen E-Type, klappt das Spielchen....beim nem TR zahlt man definitiv drauf

Peter
Grüße Peter

TR-Schrauben ist wie Schach. Nur halt ohne Würfel.

Mir reichts, ich geh schaukeln!
Garageninhalt.....
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Re: Haben Oldtimer eine Zukunft?

#22

Beitrag von S-TYP34 »

Die ganzen schlimmverbessereten neu restaurierten TR`s werden
als klassiche Fahrzeuge kein Kulturgut sein.

Ein TR mit Ford oder BMW -Diff,...Getrag 5Gang,es geht auch Ford 5Gang,
moderne Einspr-anlage usw.
Ist niemals ein Kulturgut!!
Jeder TÜV-Prüfer der solche Fahrzeuge mit -H- Kennzeichen durchlässt
gehört die Prüf-Zulassung abgenommen.

Es werden die im Originalzustand gehaltenen bestand haben,
diesen Standart kann man nur mit originalen Teilen halten
und dies kostet ne Menge Geld,das aber nur wenige ausgeben wollen.

So sehe ich das Hobby einen Oldtimer zu erhalten und fahren.

Somit reduziert sich schon mal die Menge der Stinker u.Sprpitfresser.
Manche Menschen sind nur so lange bei dir,wie du ihnen nützlich bist
Ihre Loyalität endet,dort wo ihre Vorteile aufhören.
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Re: Haben Oldtimer eine Zukunft?

#23

Beitrag von hneuland »

S-TYP34 hat geschrieben: 13.10.2021, 08:22 Die ganzen schlimmverbessereten neu restaurierten TR`s werden
als klassiche Fahrzeuge kein Kulturgut sein.
Es werden die im Originalzustand gehaltenen bestand haben,
diesen Standart kann man nur mit originalen Teilen halten
und dies kostet ne Menge Geld,das aber nur wenige ausgeben wollen.

So sehe ich das Hobby einen Oldtimer zu erhalten und fahren.
Somit reduziert sich schon mal die Menge der Stinker u.Sprpitfresser.
na ja, ist schon was dran. Haben wir auch hier schon ausgiebig und kontrovers diskutiert.
Aber man muss das auch differenziert sehen - schon mit neuen Reifen und Scheibenwischern ist das Auto nicht mehr "original".
Und soweit ich mich erinnere, ließ sich auch ein damals neuer TR schon mit allerlei zusätzlichem Schnickschnack aufwerten, sogar bestellen.

Außerdem - ich fahre meinen TR nicht der Erhaltung von Kulturgut wegen, sondern weil es mir einfach Freude macht! Ein wenig anders zu sein als die Menge drumrum, seine Nische finden macht ein Hobby aus. Ich weiß gar nicht, ob ich es so toll finde wenn Andere sowas als "Kulturgut" aufwerten. Doch es gefällt mir schon, wenn das Auto bei Ausfahrten Bewunderung findet, sogar oder gerade bei Jüngeren. Das macht mir dann in dem Moment wieder Hoffnung, dass unsere Zeit doch nicht so öde ist...
Liebe Grüße
Horst
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Re: Haben Oldtimer eine Zukunft?

#24

Beitrag von maetes »

Hui, da wird es interessant. Bis zu welcher Schmerzgrenze ist ein Fahrzeug kulturgutfähig? Ist schon der Einbau einer Drehstromlichtmaschine, eines elektronischen Zündverteilers oder die Umrüstung der Stoßdämpfer so gravierend, dass das Fahrzeug nicht mehr H-Status genießt? Die Puristen werden sich mit Grauen abwenden. Ich denke aber, es geht in erster Linie um den Charakter eines Fahrzeugs. Das verbietet aus meiner (natürlich ganz persönlichen) Sicht alle wesentlichen Modifikationen, erlaubt aber Umrüstungen, die der langfristigen Nutzbarkeit dienen.

Ich bin ja Architekt und die Frage stellt sich bei jedem Denkmalobjekt. Ein Baudenkmal bleibt ein Baudenkmal, auch wenn die Wasserleitungen nicht mehr aus Eisen, sondern aus Kupfer sind und der Heizkessel ohnehin schon lange gewechselt wurde.

Die Frage, bis wohin Modifikationen ohne Identitätsverlust des Fahrzeugs hingenommen werden können (und das ist genau das richtige Verb), müsste auf Augenhöhe diskutiert werden. Und im Gegensatz zu den meisten Mitarbeitern der Denkmalpflege ist die bei den meisten Mitarbeitern des TÜV nicht gegeben.
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Re: Haben Oldtimer eine Zukunft?

#25

Beitrag von wankelspider »

maetes hat geschrieben: 13.10.2021, 09:42 Hui, da wird es interessant. Bis zu welcher Schmerzgrenze ist ein Fahrzeug kulturgutfähig? Ist schon der Einbau einer Drehstromlichtmaschine, eines elektronischen Zündverteilers oder die Umrüstung der Stoßdämpfer so gravierend, dass das Fahrzeug nicht mehr H-Status genießt? Die Puristen werden sich mit Grauen abwenden. Ich denke aber, es geht in erster Linie um den Charakter eines Fahrzeugs. Das verbietet aus meiner (natürlich ganz persönlichen) Sicht alle wesentlichen Modifikationen, erlaubt aber Umrüstungen, die der langfristigen Nutzbarkeit dienen.

Ich bin ja Architekt und die Frage stellt sich bei jedem Denkmalobjekt. Ein Baudenkmal bleibt ein Baudenkmal, auch wenn die Wasserleitungen nicht mehr aus Eisen, sondern aus Kupfer sind und der Heizkessel ohnehin schon lange gewechselt wurde.

Die Frage, bis wohin Modifikationen ohne Identitätsverlust des Fahrzeugs hingenommen werden können (und das ist genau das richtige Verb), müsste auf Augenhöhe diskutiert werden. Und im Gegensatz zu den meisten Mitarbeitern der Denkmalpflege ist die bei den meisten Mitarbeitern des TÜV nicht gegeben.
Ich finde Harald hat vollkommen Recht. Dies auf eine andere LiMa, einen elektronischer Zündverteiler oder neue Stoßdämpfer zu erweitern ist meiner Meinung nach überzogen dargestellt. Aber ist es nicht genau der Anforderungskatalog für Oldtimer der so etwas regelt? Ich glaube mich erinnern zu können, dass da "Verschleissteile" nicht dazugehören. Der Einbau von anderen Motoren, anderen Gemischaufbereitungsanlagen, Getrieben, Sitzen, etc. jedoch sind als nicht original zu bewerten. Wie immer das Detail macht es. Kann ja jeder machen der das will und auch eingetragen bekommt, er sollte aber dann auch akzeptieren dass es ein Umbau und kein Oldtimer mehr ist.
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Re: Haben Oldtimer eine Zukunft?

#26

Beitrag von wankelspider »

S-TYP34 hat geschrieben: 13.10.2021, 08:22 Die ganzen schlimmverbessereten neu restaurierten TR`s werden
als klassiche Fahrzeuge kein Kulturgut sein.

Ein TR mit Ford oder BMW -Diff,...Getrag 5Gang,es geht auch Ford 5Gang,
moderne Einspr-anlage usw.
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So sehe ich das Hobby einen Oldtimer zu erhalten und fahren.

Somit reduziert sich schon mal die Menge der Stinker u.Sprpitfresser.
Ich finde es ist überhaupt nicht teuer einen TR originalgetreu zu erhalten, es sei denn man kann gar nichts selber machen. Ich habe meinen 3er vor 35 Jahren einmal komplett bis zur kleinsten Schraube vollrestauriert und seitdem so gut wie nichts reparieren müssen. Aber geh mal in die Neuzeit-Werkstatt mit einem fahrenden Tablet - heute Auto genannt - da zahlst du im jährlichen Regel-Abo für jede Stunde die das 'Gefährt' am Update Server hängt horrende Stundensätze ohne dass einer einen Finger krumm macht, das Geld fürs Finger krumm machen kommt danach beim "Scheibenwischergummidurchsichtsplan" noch dazu. Und wenn du die Scheibenwischer und das Wischwasser nicht regelmäßig von den 10-däumigen Mechatroniker-Spezialisten im Autohaus durchchecken lässt dann wird dein Auto remote stillgelegt weil es ein Sicherheitsrisiko darstellt. Wenn alle diese Kisten zusammen steuerfrei liegenbleiben und auf das neueste Update von Macrosaft warten fahre ich mit dem TR mit Benzin aus der Apotheke für 10 Euro pro Liter und 1000 Euro Stinkersteuer aber immer noch billiger und freundlich winkend vorbei bis zur nächsten Umweltzone :-)
Man sollte sich die Ruhe und Nervenstärke eines Stuhles zulegen. Der muss auch mit jedem Arsch klarkommen.
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Re: Haben Oldtimer eine Zukunft?

#27

Beitrag von BrauseTiger »

Hallo,

wie ich sehe, verläuft das eigentliche Thema dieses Threads wieder einmal total im Sand. Vielleicht sollte man die ursprüngliche Frage nicht nur auf unsere TRs oder Oldtimer ab einem Alter von 30 Jahren beziehen, sondern auf die gesamte Community, die sich mit älteren Fahrzeugen beschäftigt, erweitern. Ich freue mich immer, wenn ich einen schön gemachten Käfer, Golf oder nen C- Kadett, auch als GTE Klon usw. sehe. Was für Motoren, Getriebe oder Einspritzanlagen die verbaut haben interessiert mich nicht. Gerade die Bosch Mengenteilertechnik, ist anfällig bei langen Standzeiten und teuer zu überholen und schlecht bei Tuning anzupassen, deswegen satteln viele Jungs um oder bauen modernere Aggregate ein.
Stimmt schon, wo fängt man an und wo hört man auf. Aber dann dürften die Hardliner nicht mal ihre Rahmen an der Diff- Aufhängung verstärken und 3 Weber Doppelvergaser sind auch nicht original. Apropos, wo bekomme ich denn Originalteile her? Ich glaube der letzte Triumph-Standard Händler in der Nähe hat noch vor meiner Geburt dicht gemacht :lol: . Aber gesprochene sowie geschriebene Sprache verkommt auch immer mehr...
Im Übrigen scheint es, dass es speziell bei Einspritzanlagen bei manchen Leuten hier richtig abgeht, als ob man nen Triggerpunkt erwischt xD. Fakt ist, es gibt einen Markt für modifizierte Autos, warum sind sonst Firmen wie Singer (911er) und diverse ähnliche Anbieter in Dtl., Alfaholics, Eagle (E-Types), Frontline Developments (MGB) um nur einige zu nennen so erfolgreich? Genau, weil die Leute so etwas haben möchten.

Vielleicht fehlt auch der Nachwuchs, weil wir uns digital, nur einen Mausklick entfernt, die Mitfahrt, den Sound oder andere Berichte von beinahe allen Fahrzeugen reinziehen können. Klar, das Erlebnis das Auto dann live zu hören und fahren zu sehen ist m.E. viel intensiver aber durch unsere allgemein wachsende Abstumpfung oder weil FB, Instagram und Co. wichtiger sind, gerät eben dieses Interesse an diesem, oft auch kostspieligen Hobby, in den Hintergrund.

Gibt es hier jemand der Insiderinformationen hat oder weiß was mit den bösen Verbrennern passieren soll, wenn die E-Mobilitätswende vollzogen wurde, wie ich den Deutschen Staat kenne muss noch jeder selbst für die Entsorgung aufkommen oder noch ne Strafsteuer zahlen... Wie ich schon vorher schrieb, sehe ich bei unseren Kunden im Maschinenbau eine wachsende Zukunftsangst, erst gestern wurde im Radio darüber berichtet, dass VW 30.000 Stellen abbauen will...

@Bernhard, ich verstehe Deine Antwort bezüglich mir das eigene Hobby selbst zu versauen nicht. Hiermit bitte ich dich, als außenstehender Österreicher, die Deutsche Spitzenpolitik zur Raison zu bringen, damit ich wieder Spaß am Benzin vernichten habe, Danke. Und klar, ich habe kein "Erdöl" studiert aber wenn ein TR6 im Straßenbetrieb 30 Liter Sprit braucht, stimmt etwas nicht aber spiel noch ne Weile an den Webern rum, dann läuft‘s irgendwann "perfekt"...

Eine Sache noch, seit ich das Fahrzeug Mitte 2016 erworben habe, bin ich eifriger Leser und verfolge fast jeden Thread hier. Aber nun, da ich diese Stänkerer am eigenen digitalen Leib erfahren habe, (einige habe ich sogar schon persönlich getroffen) weiß ich, warum sich immer nur die selben Leute trauen etwas zu schreiben. Ich such mir ne andere Community, bzw. ein anderes Hobby. Sport und gesunde Ernährung scheinen mir besser zu bekommen, als Kohlenwasserstoff- Abgase einzuatmen oder mich auf überfüllten Schwarzwald- Landstraßen über Rentner in ihren Wohnmobilen aufzuregen.

Ich kann mich noch an den Thread erinnern (es ging um Jochems Tuningmaßnahmen am ZK), an dem der Streit um mein Fzg. ausbrach. Ich war gerade am Flughafen Frankfurt beim Check-in, als mich die Teilnehmer des Streits einer nach dem anderen anriefen, dass ich doch endlich Stellung zu diesem Thema beziehen soll (was ich bis heute nicht tat und auch nicht vorhabe zu tun), wer nun Recht hat. Ich sage nur eines dazu, ich hoffe ich beweise in 20 Jahren mehr Reife und benehme mich entsprechend "erwachsener".

In diesem Sinne, an alle Admins, bitte mein Profil nach Veröffentlichung dieses Beitrags löschen.
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Re: Haben Oldtimer eine Zukunft?

#28

Beitrag von darock »

Göttlich, das kannst nicht erfinden ...

Bernhard
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Re: Haben Oldtimer eine Zukunft?

#29

Beitrag von wankelspider »

BrauseTiger hat geschrieben: 14.10.2021, 14:33 In diesem Sinne, an alle Admins, bitte mein Profil nach Veröffentlichung dieses Beitrags löschen.
Raphael
Finde ich auch eine gute Idee, hasta luego amigo :kopfklatsch
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Re: Haben Oldtimer eine Zukunft?

#30

Beitrag von Rallye78 »

Jessass, wieder so ein Pienzchen, dem es mehr um seine Meinung und deren Anerkennung durch die Community und weniger um das Thema selbst geht.
Schade Raphael, Du hattest mit Deinen Ausführungen recht gut begonnen ....

Dann hier noch meine persönliche Meinung zu dem Thema - und es soll sich bitte niemand genötigt fühlen, Gegenargumente zusammen kratzen zu müssen:
- ich habe keinen Einfluß darauf, was der Politik zu diesem Thema noch so alles einfällt und daher ist es mir auch egal
- das H-Kennzeichen alleine ist für mich noch lange kein Grund, einen Oldtimer zu fahren - allerdings würde ich mich schon zu den Originalisten zählen - freue mich jedoch über jedes gut gemachte Auto, ob jung oder alt, original oder nicht
- Rumschrauben ist mein Hobby und ich werde es ausüben, solange ich das gesundheitlich kann und will und mir leisten kann.
- es ist mir egal, was meine Oldtimer "später" mal wert sind, verkaufen will ich eh nicht, solange ich nicht muss und wenn das mit dem Wert oder Wertverfall irgendwann ein Problem sein sollte, dürfen sich meine Erben darum kümmern
- natürlich verbrenne ich ne Menge Geld mit diesem Hobby, andere tun dies mit teuren Kreuzfahrten, Weltreisen, Gourmet-Essen, Kunstgegenständen, sündteuren Spirituosen, Weibern und was sonst noch alles und fragen sich vermutlich auch nicht ständig, ob sie das investierte Geld wohl irgendwann wieder zurückkriegen werden
- ich lebe j e t z t und alles, was mir jetzt guttut, ist gut für mich. Ich habe durch die "Oldtimerei" und besonders auch durch das TR-Schrauben und -Fahren eine Menge netter Leute kennengelernt, die ich in meinem Leben nicht missen möchte. Schon alleine das war die ganze Mühe schon mal wert.

Bleibt gesund und regt euch nicht über jeden Sch ...... auf - ich versuche das auch.
Gruß Eugen
Antworten

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