immer wieder Einspritzverteiler - sudden death

Einspritzventile, Einspritzpumpe, mechanisch, elektronisch...

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hneuland
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immer wieder Einspritzverteiler - sudden death

#1

Beitrag von hneuland »

liebe Pi-Kollegen,

die mechanischen Lucas-Einspritzanlagen für TR5 und 6 waren zu ihrer Zeit eine kleine technische Delikatesse. Für mich war damals die Einspritzung kaufentscheidend für einen gebrauchten TR6Pi - gegenüber preislich fast gleichen Healey 3000 oder Jaguar E.
Bei guter Wartung und Pflege arbeitet die Lucas Einspritzanlage recht zuverlässig. Wir haben sie hier im Forum schon vielfach behandelt. Doch gibt es hin und wieder auch Probleme, die selbst Fachleute nicht unmittelbar der Einspritzung, speziell dem Dosierverteiler zuordnen können. Mich traf dies in meiner über 40jährigen TR-Geschichte 4 mal. Und weil es soeben mit einem gerade fachmännisch überholten DV wieder passierte, will ich die Fälle und die Ursachen hier einmal schildern.

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Ich kaufte den TR6 mit ca. 20000km im Jahr 1976, der Original-Dosierverteiler lief dann noch etwa 40000 km problemlos. Trotzdem ließ ich ihn im Zusammenhang mit dem Einbau einer Bosch-Einspritzpumpe 1982 in einer Fachwerkstatt auswechseln. Allerdings wurde dabei die 123 PS-Version (mit dem grünen Deckel) eingebaut. Damit lief das Auto eine Zeitlang bis die Verwechslung bemerkt wurde. Ich baute ein passendes Neuteil (gab’s damals noch!) ein und kaufte einen kleinen Vorrat an Membranen und Gummidichtungen und behielt den 123 PS-DV als Reserve.
Nach der Spritumstellung zeigten sich Probleme mit den Gummidichtungen in den Rückschlagventilen und den beiden Membranen. Symptome waren dabei Startschwierigkeiten, hoher Verbrauch, zu fettes Gemisch und unregelmäßiger Lauf. Doch die (noch originalen) Gummiteile hielten jeweils nur kurze Zeit. In den Folgejahren waren sie zudem praktisch nicht erhältlich. Eine Membran hatte ich damals sogar an einen Händler zurückverkauft… Ob aktuell erhältlicher Ersatz besser ist, muss sich erst noch beweisen.

Falll 1 - Nachdem mein Gummi-Vorrat fast aufgebraucht war, beschaffte ich im Tausch gegen die 123 PS Version einen professionell überholten AT-Dosierverteiler, angeblich mit benzinbeständigeren Gummis. Damit bin ich allerdings in der Zeit bis zur Generalüberholung im Jahr 2006 kaum gefahren. Danach riss, natürlich unterwegs, die Förder-Membran - per Abschleppwagen ging es in die heimische Garage. Austausch aller Gummiteile aus dem Bestand.

Fall 2 - Bei der Anreise zum TR-Freunde Treffen 2007 in der Eifel blieb das Auto ohne vorherige Anzeichen plötzlich stehen. Startversuche waren erfolglos, nur schwarze Wolken aus dem Auspuff - wieder ADAC. Erst nach gründlicher Suche wurde der Fehler gefunden: die Dosiernadel (Shuttle) im DV war korrodiert und saß fest. Glücklicherweise hatte ein TR-Freund noch einen Ersatz und der damit reparierte DV hielt noch sechs weitere Jahre.

Fall 3 - 2013 erneuerte ich die Einspritzpumpe und baute auch einen AT-Dosierverteiler (von L.. aus B) ein, im Austausch gegen das 1983 gekaufte Neuteil. Der lief danach bis 2019 einwandfrei. Ausgerechnet in den Alpen bockte das Auto nach einer Stau-Schlacht bei 40° im Inntal. Unter 3000 U/pM war kein Fahren möglich, darüber ging es problemlos… So quälten wir uns bis zum Gardasee und zurück nach Berchtesgaden, da war dann Schluss. Am Gardasee stellte eine engagierte Werkstatt Zündung und Treibstoffversorgung auf den Kopf ohne den Fehler zu finden. Den fand später Ralf Schnitker mit aufgelösten Dichtgummis in den Banjo-Ventilen…

Fall 4 - Aktuell wollte ich mit einem TR-Freund noch einen Urlaubscheck machen und die im letzten Herbst eingebaute neue 123-Zündung und den gleichzeitig professionell überholten DV nachstellen. Wir machten einige Testfahrten und justierten die Gemischeinstellung anhand einer Lambda-Sonde. Das Auto lief tadellos, bis es nach der letzten Testfahrt unterwegs abgestellt wurde. Eigentlich sollte nur noch der DV-Deckel wieder aufgesetzt werden... Es startete aber nicht mehr, aus dem Auspuff kam nur öliger Qualm - per Abschleppseil ging es in die Werkstatt des Freundes. Nachdem das komplette Zündgeschirr getauscht, alle Einspritzdüsen geprüft und die Zündkerzen erneuert wurden, blieb als Fehlerquelle nur noch der (frisch überholte) Dosierverteiler. Hier war die Fördermembran aus der Halterung gerissen.

Facit: Obige Fehlerbeschreibungen vermitteln zwar keine neuen Erkenntnisse. Im konkreten Fall ist ein Ausfall des DV jedoch - nach mehrfacher eigener Erfahrung - nur schwer zu lokalisieren. Zuerst sucht man den Fehler bei der Zündung oder anderen Teilen. Zudem ist er im Normalfall (unterwegs und mit Bordwerkzeug) auch nicht zu beheben! Ich habe diesen Beitrag geschrieben, um dafür zu sensibilisieren, dass selbst ein frisch überholtes Bauteil keine Gewähr bietet, fehlerfrei zu arbeiten. In den beiden Grafiken aus dem Lucas-Handbuch habe ich die Problemteile farblich kenntlich gemacht.
In allen vier beschriebenen Fällen wurde das Problem nicht auf Anhieb erkannt und konnte auch nicht ohne Ausbau des Dosierverteilers beseitigt werden.

Liebe Grüße und allzeit gute Fahrt
Horst
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Re: immer wieder Einspritzverteiler - sudden death

#2

Beitrag von Fuzzy »

Top Beitrag.
Mein 6er CR-PI wurde wohl schon Ende der 70er, Anfang der 80er auf zwei ZS175 umgebaut. >>>Leider
Mir finde die PI-Technik auch genial.

Seit geraumer Zeit bin ich am Aufbau einer CR-Anlage, die dann auf den neu aufgebauten Motor drauf soll.
Klar ordentlich aussehen (neu verzinkt, gestrahlt, ...) soll der ganze Spaß auch, aber Hauptaugenmerk liegt auf der Technik.
- Drokla-Wellen kugelgelagert
- alle Rückschlagventile zerlegt, neue Dichtplatten aus Viton gefertigt.
- bewegliche Innereien poliert
- usw.
Jetzt hab ich natürlich die Hoffnung dafür
irgendwo brauchbare Membranen und Dichtungen zu bekommen um soviel wie möglich der beschriebenen Fehler vermeiden zu können.

Auf jeden Fall danke für die geteilten Erfahrungen
Gruß,
Jörg
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Re: immer wieder Einspritzverteiler - sudden death

#3

Beitrag von seidelswalter »

Hi, neben den üblichen Verdächtigen kann man auch mal hier schauen
http://www.triumphspecialtuning.com/ind ... ry&path=62
gute Fahrt
Walter Seidel
TR6 PI Bj73 RHD pimento red Hardtop, Sitzheizung, 6 Zoll Speichenräder 195/65 Semperit Doppelrohrauspuff el. Zündung el. Benzinpumpe samt Vorpumpe - ein Leben ohne Triumph ist möglich, aber sinnlos - am 4. Januar 2021 ist mein 48ster Geburtstag

:wave:
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Re: immer wieder Einspritzverteiler - sudden death

#4

Beitrag von batcave »

Mein DV läuft seit gefühlt Ewigkeiten -störungsfrei, ich empfehle Super Plus ohne Ethanol und ein wenig "Obenöl ("2-Takt) bei Jedem tanken dazu. Hat bislang auf jeden Fall nicht geschadet.

Viel Erfolg

Achim
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Re: immer wieder Einspritzverteiler - sudden death

#5

Beitrag von Ecktown »

Hallo,
nur VPR und U102 haben kein Ethanol ( kleiner 0,2 Prozent falls der Tanker div. Produkte in seinen einzelnen Kammern fährt )

Super98 hat bei allen MÖGˋs bis zu 5 Prozent Ethanol.
Das ist aber ein anderes Thema.

Gruß
Jörg
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Re: immer wieder Einspritzverteiler - sudden death

#6

Beitrag von Fuzzy »

Ja klar,
das habe ich natürlich vergessen zu schreiben.
Wenn man die kraftstoffberührende Bereiche in der Anlage anschaut, dann ist der Tipp mit dem Zweitaktöl fast schon als zwingend nötig anzusehen. :top:
Ein Fehler kann das aus meiner Sicht auf keinen Fall sein.

Beim Vergaser tuts mir bis jetzt die Super-E5-Plörre.
Über 100 Oktan ist bei einem nicht frisierten TR-Motor, Perlen vor die Säue geworfen.
Gut, das Additivpaket und die wenigen Km die man fährt ... naja, schaden kann das auch nicht.
Gruß,
Jörg
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