Triumph in Schottland

Beschreibung mehrtägiger Reisen
Antworten
Benutzeravatar
Claudius
ist sehr oft hier
ist sehr oft hier
Beiträge: 239
Registriert: 11.02.2010, 00:00
Wohnort: Forchtenberg
Hat sich bedankt: 11 Mal
Danksagung erhalten: 7 Mal
Kontaktdaten:

Triumph in Schottland

#1

Beitrag von Claudius » 29.07.2015, 07:32

Unser erstes, aber sicher nicht letztes Mal
Von Renate Mink und Claudius Freiberg
Nein liebe Leser, diese ist keine Erzählung über die sexuellen Eskapaden eines pubertierenden Pärchens, sondern der Reisebericht unserer nicht ganz schmerzfreien Hochzeitsreise nach Schottland.
Renate und ich haben, im zugegebenermaßen schon etwas reiferen Alter, am 11.09.2013 geheiratet. Mancher unter Euch wird sich noch an die kleine Nachricht und das Bild im TR-Magazin erinnern. Schon früh stand für uns fest, dass uns unsere Hochzeitsreise mit dem TR nach Schottland führen sollte. Wir hatten schon vieles gehört, gelesen und auch im TV gesehen über dieses faszinierende Land. So wollten wir uns auf einer Rundreise einen Überblick verschaffen und Eindrücke für ein späteres Wiedersehen gewinnen.
Im Januar hab ich dann den Motor aus dem TR ausgebaut und mit der Hilfe vieler Freunde überholt. Renate lästerte ab März dann ob wir nicht den MX 5 nehmen sollten, aber irgendwann war der Motor wieder drin und schnurrte wie es ich für einen TR 4 gehörte. Die Fähre war gebucht und die Reiseroute begann Gestalt anzunehmen, nicht zuletzt dank intensivem Austausch auf dem Schottland-Forum, vielen Ratschlägen und noch besseren Empfehlungen.

Los ging es dann am Montag, den 02.06. Der TR vollgepackt. Im Kofferraum meine große Reisetasche und Renates Necessaire. Hinter den Sitzen Renates Reisetasche, und auf die Kofferbrücke hatten wir unseren wasser- und regendichten Rimowa gespannt. Die Fahrt führte uns von Ludwigsburg bis Sinsheim. Dort der erste Stau, Vollsperrung der Autobahn. Also ab über Land und bei Hockenheim wieder auf die Bahn. Bei Bingerbrück verließen wir die Autobahn und folgten dem Rhein durch das UNESCO-Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal bis Bacharach. Die verspätete Mittagsrast haben wir dann im Günderrodehaus (Haus Heimat) bei Urbar mit einem wunderschönen Blick über den Rhein genossen.

*

Die Zahnschmerzen die ich seit ein paar Tagen spürte waren nach einer 500er Ibuprofen so gut wie weg. Weiter ging die Reise bis Mönchengladbach. Wir wollten ja nicht hetzen und haben dort die geplante Übernachtung eingelegt. Am nächsten Morgen ging es bei leicht trübem Wetter mit Nieselregen weiter Richtung Amsterdam. Natürlich sind wir viel zu früh am Fähranleger in Ijmuiden angekommen und freuten uns über den ersten Platz in der Reihe neben den Motorrädern.

*

Erst später habe ich das System der Beladung durchschaut. Unser kleiner Freund war ein „Lückenfüller“ und so dauerte es noch ziemlich lange bis wir an Bord rollen konnten. Nett waren die Kommentare der Biker. Sie reichten von „tolles Auto“ bis hin zu „ich wusste gar nicht dass die auch Autos gebaut haben“.
Schnell hatten wir unsere Kabine bezogen. Die See war ruhig und so konnten wir das Auslaufen zu unserer ersten gemeinsamen Seereise genießen. Bei der Buchung hatte ich bereits das Büffet vorbestellt, was sich als gute Idee herausstellte. Wir bekamen einen Tisch zugewiesen und konnten uns an dem reichhaltigen Büffet ausgiebig den Bauch vollschlagen, denn nirgendwo hatte ich gelesen dass ein voller Bauch gegen Seekrankheit nützt. Wer setzt solche Weisheiten eigentlich in die Welt, und wie viele außer mir fallen drauf rein? Na ja seekrank wurden wir nicht, aber es war schon ungewohnt in der schmalen Kabine übereinander statt nebeneinander zu schlafen. Wenigstens konnten wir zum Fenster rausschauen. Leider sieht man nachts auf See nicht so viel.
Der nächste Morgen erwartete uns mit Regen und diesiger Sicht. Nach dem ebenfalls sehr reichhaltigen Frühstück hatten wir schon langsam Land in Sicht. Das Einlaufen in Newcastle war unspektakulär. Wir rollten von Bord und auch die britische Obrigkeit hieß uns nach ausgiebiger Gesichts- und Passkontrolle willkommen. Danach die erste Überraschung. Mein zur Sicherheit eingepacktes TomTom, welches uns aus der Stadt führen sollte zeigte nur weiß. Keine Karte vorhanden. Na super, das hätte ich besser mal zu Hause gecheckt. Also der Nase nach, durch die ersten Roundabouts, und dann irgendwann kapiert dass wir in die falsche Richtung unterwegs waren. Also umgedreht und die zweite Hälfte der Stadtrundfahrt von Newcastle gestartet. Mittlerweile regnete es immer stärker. Macht ja nichts, ich hab ja das Stoffverdeck zu Hause extra nochmal imprägniert.
Unsere Fuhre rollte von Newcastle über die A696 / A68 nach Otterburn. Dort legten wir in einem wunderschönen Coffee Shop eine erste Rast ein.

*

Leider wurde der Regen immer stärker und das Verdeck begann an den Nähten Wasser durch zu lassen. Weiter ging es über Jedburgh Richtung Galashields. Ursprünglich wollten wir die Melrose Abbey besichtigen, aber mittlerweile tropfte mir des Wasser vom Verdeck in den Nacken und Renate war mit Handtüchern dabei uns einigermaßen trocken zu halten. So haben wir in Melrose nur einen Tee getrunken und sind dann weiter durch das Tweed Valley über Innerleithen nach Peebles. Danach einmal falsch abgebogen und wir sind auf der B 112 Richtung Drumelizer. Bei schönem Wetter sicher eine super Strecke, heute macht das leider keinen Spaß und der Tag schreitet voran. Also quer über Land (A702) und bei Abington auf die M 74 Richtung Glasgow.
Wunder über Wunder. Das schnelle fahren auf der M 74 lässt das Verdeck so flattern, dass es sich selbst trockenschleudert. Leider ist das überschüssige Wasser nun auf Renates Reisetasche versammelt und wartet darauf den Inhalt zu erobern. Nun geht es zügig an Glasgow vorbei Richtung Loch Lomond. Wir sind beide froh, dass wir nicht das Angebot unserer Freunde angenommen haben am Loch Lomond inmitten tausender Touristen in einer Nobelherberge (Cameron House) abzusteigen, sondern setzten unsere Fahrt weiter fort und überqueren bei Tarbet den Bergrücken und sind in unserem ersten Etappenziel, das Rowantree Cottage B&B in Arrochar am Loch Fyne gelandet.

*

Leider sind meine Zahnschmerzen mittlerweile trotz mehrmals täglicher Einnahme von 500er Ibu nicht besser, wie auch.
Am nächsten Tag, dem Donnerstag, den 05.06.14 machen wir eine Rundfahrt von Arrochar zum nördlichen Ende des Loch Lomond, weiter auf der A 82 und bei Crianlarich links ab auf die A 85 durch das Glen Lochry bis zum Loch Awe. Wunderschöne Landschaft. Wir könnten alle 100 Meter anhalten und genießen. Unsere Fahrt führt uns vorbei an einem kleinen Castle mitten im See, Kilchurn Castle.

*

entlang der Ostküste des Loch Awe, bis Cladich. Dort biegen wir links ab und erreichen nach kurzer Fahrt Inveraray. Das Dorf ist ein Touristenmagnet, wir sehen viele Motorradfahrer. Uns interessiert aber das in grün-grauem Sandstein gebaute Schloss, welches wir besichtigen wollen. Auf der Fahrt zum Parkplatz sehen wir wieder überall, wie auch schon den ganzen Tag über, riesige blühende Rhododendren in wunderschönen leuchtenden Farben.

*

Schnell ist das Eintrittsgeld bezahlt und auf die Frage Renates nach der nächsten Toilette bekommen wir die humorvolle Antwort des Wächters: „Yes Madam, we are vey civilized here. There is a toilet outside, around the corner“. Das Schloss selbst bestach durch eine Sammlung an tollem Porzellan

*

und eine Waffensammlung die bildhaft an den Wänden drapiert ist. Prädikat: Sehenswert.

*

Von Inveraray zurück nach Arrochar und den Abend im Pub ausklingen lassen. Renate wählte als Barmeal ein vegetarisches Haggis. Als wir fragten was denn da drin sei bekamen wir die Antwort des Barkeepers: keine Ahnung, hat noch nie jemand bestellt. Es war aber hervorragend. Eine Mischung mit Graupen, Linsen und weiteren Zutaten die mir entfallen sind. Leider wurde meine Zahnschmerz immer schlimmer.
Am nächsten Morgen, dem Freitag habe ich alle meine Ängste überwunden und den Host gefragt ob ich hier irgendwo zum Zahnarzt könnte. Nach vielen Telefonaten erklärte mir Bill, dass es heute, am Freitag unmöglich ist einen Dentist zu erreichen, er aber glücklicherweise einen Termin für mich in der Zahnklinik des Royal Albert Hospital in Paisley arrangieren konnte. Also auf nach Paisley. Das Hospital war schnell gefunden, ein Riesenkomplex des NSH, dem National Health Service. Der Doktor kam auch bald und schon saß ich auf dem gefürchteten Stuhl.
Nach einem Röntgenbild, diversem Kopfschütteln und Fragen dann die Diagnose: Abszess an der Wurzel des rechten oberen Eckzahns. Dann die Frage wie lange ich hier bleiben könnte.
Wir erklärten dem freundlichen Doktor, der übrigens der Sohn unseres Hosts war, und nur deshalb den Termin frei machte, dass wir auf Hochzeits-Rundreise sind und weiter wollen/müssen. Daraufhin bekam ich ein Rezept für die größte Packung Antibiotika und 500er Ibu die er verschreiben konnte und wir verließen mit herzlichem Dank und unter Bezahlung von 3,98 £ für ein Röntgenbild das Hospital. In der Apotheke holte ich nach kurzer Wartezeit mein Drogenpaket ab und war begeistert vom NHS. Als Ausländer, ohne meine Krankenkarte vorzuweisen oder sonstige Formalitäten, behandelt und kostenfrei Medikamente zu erhalten. Das muss man sich mal in Deutschland vorstellen!
Am Samstag verabschiedeten wir uns von den beiden Hosts, die Gastfreundschaft und vor allem das Frühstück bleiben uns sicher noch lange in Erinnerung.
Weiter ging unsere Reise Richtung Fort Augustus am Loch Ness. Das dortige Caledonian Hotel, eine Empfehlung eines TR-Freundes erwartete uns. Die Fahrt führte uns über wunderschöne Straßen entlang der Küste von Arrochar über Inveraray, die A 83, Cladich über den Pass of Brander nach Oban. Weiter ging es entlang des Sound of Shuna über die A 828, dann entlang des Loch Leven ins Glen Coe.

*

Das berühmte Tal der Tränen erwartete uns mit kaltem böigem Wind und den mittlerweile üblichen bewundernden Kommentaren zum Auto als wir parkten (Tipp: Glen Coe Cafe). Unsere weitere Fahrt führte uns dann entlang des Loch Linnhe, Loch Lochy und Teilen des Caledonian Canal bis zu unserer Unterkunft in Fort Augustus.

*

Hier am Ende, oder auch Anfang, des Caledonian Canal gibt es ebenfalls eine Schleusentreppe, mit der die Boote vom Loch Ness auf das Kanalniveau in 5 Schleusen angehoben werden. Fort Augustus ist ein kleiner wunderschöner Ort, der dann am Sonntag leider von Touristenmassen nahezu überflutet wurde. Wir hörten hier auch sehr viele deutsche Laute. Um den üblichen Ausflug zu Urquhart Castle kamen auch wir nicht umhin.

*

Leider ist Nessi auch an diesem Tag nicht in der Laune gewesen sich zu präsentieren.
Das Hotel besticht durch seine sehr gute Küche, die Teilnahme am abendlichen Dinner ist anzumelden und bei ertönen des Gongs um 19:00 sollte man im Speiseraum Platz nehmen. Für uns etwas old fashioned, aber grade deshalb so liebenswürdig und schön. Leider konnten wir nur bis Montag früh bleiben, da das gesamte Hotel von einem Lotus 7 Club gebucht war. Einen Teil der Teilnehmer trafen wir dann bei Applecross, doch dazu später.
Am Montag packten wir dann wieder unsere sieben Sachen und machten uns auf den Weg. Es geht bei strahlendem Sonnenschein nach Skye!

*

Entlang des Loch Ness bis Drumnadrochit, von dort auf die A 887 und weiter auf der A 87 bis Shiel Bridge. Mit wundervollem Blick auf die Bergkette der Five Sisters

*

fuhren wir über die steil ansteigende single track road (bis zu 17% Steigung) und wieder bergab zum Sound of Sleat. Dort erwartete uns die kleine Turntable Ferry.

*

Nach kurzer, aber umso schöner Fahrt in Begleitung unzähliger Seehunde (seals) erreichten wir Skye. Weiter über wundervoll geschwungene single track, mit dem Gefühl eine Achterbahn zu fahren, bei der man nicht weiß was nach der nächsten Kuppe kommt.

*

Unser nächster Halt war Breakish auf Skye. Dort gab es zu Mittag eine große Portion Fish and chips und auf dem Parkplatz eine kleine Überraschung. Neben unserem TR parkte ein Aston Martin DB 6 mit deutscher Nummer. Wir fuhren weiter in unser vorgebuchtes B&B Skye Picture House in Arc Dorch bei Broadford. Dort angekommen und fix eingecheckt wollten wir noch eine Runde drehen. Als wir auf die Straße einbogen kam der Aston vorbei und wir fuhren und frohem Grüßen bis Portree in flotter Fahrt hintereinander her. Bei der Gelegenheit konnte Renate dann feststellen dass unser TR und der Aston die gleichen Rücklichter haben. Der Griff ins Regal war schon in den 60ern üblich.
Die kleine Rundfahrt wurde dann doch etwas länger und führte uns am Old Man of Storr vorbei zum

*

Kilt Rock. Leider war es wieder einmal sehr windig und so kam uns das Schild mit dem Hinweis auf ein Café sehr entgegen.
Unser Geheimtipp ab diesem Moment: das Ellishadder Art Café, in unmittelbarer Nähe, etwas nördlich des Kilt Rock. Selten haben wir einen Platz erlebt der so viel Wärme und Liebe der Inhaber/in ausstrahlte wie dieser. Nachdem wir jetzt schon so weit nördlich vorgedrungen waren beschlossen wir kurzerhand unsere Fahrt rund um die Trotternish Halbinsel fortzusetzen. Also weiter gegen den Uhrzeigersinn durch diese unwirtlich erscheinende, faszinierende Landschaft.

*

An der Nordspitze passierten wir Duntulm Castle

*

und entlang der Küste über Uig und Portree zurück in unser B&B. Dort konnten wir den Blick über die Bucht auf die Insel Scalpay im Sonnenuntergang genießen.
Am Dienstag, den 10.06.14 wollte wir mal nicht den Tag im Auto verbringen und baten unseren Gastgeber um einen Routenvorschlag für eine kleine Wanderung. Er, der Mitglied der örtlichen Bergrettung ist, musterte uns und empfahl uns dann einen „Spaziergang“ von 5 Meilen von einem Parkplatz über den Berg zur nächsten Bucht. Dort sei eine Schutzhütte, die nur zu Fuß oder mit dem Boot zu erreichen wäre, außerdem gibt es da auch noch einen wunderschönen Wasserfall. Na ja, Wasserfälle hatten wir schon geschätzte 100 auf unserer Reise gesehen, aber die Tour schien nicht zu schwer.
Der Beschreibung nach sei der Parkplatz mit dem Beginn des von Armee-Pionieren in den 1960ern angelegten Pfads nicht zu verfehlen. Wir haben es geschafft, und landeten in Elgol. Auf dem Weg zurück haben wir dann den Beginn des Wanderwegs gefunden, und tatsächlich es gibt dort einen Parkplatz. Das Ganze ist bei Kilmarie, in der Nähe des Wohnhauses von Jethro Tull Front man Ian Anderson.
Der Weg führte über mit Wollgras bewachsene Hänge leicht bergan.

*

Leider begann es nach einer Viertelstunde heftig zu regnen, und je weiter und höher wir kamen, umso schlimmer wurde es. Unsere Kleidung erwies sich diesem Wetter als nicht gewachsen. Als wir den Bergrücken erreichten wurde es Zusehens neblig und wir konnten die Bucht mit der Schutzhütte grade noch so erkennen. Den vielgelobten Wasserfall wollten wir uns nicht entgehen lassen und so kam der Entschluss weiterzugehen bis wir den Wasserfall sehen können und dann umzukehren. Das dauerte dann aber doch noch eine Weile. Mittlerweile gut durchnässt und leicht frierend kehrten wir dann entmutig um. Der Regen hörte eine halbe Stunde bevor wir den Parkplatz erreichten auf.

*

Und so konnten wir trocken ins Auto steigen. Genau in dem Moment ging es wieder los und wir waren froh dass unser TR Verdeck und Heizung hat.
Die Wanderung hatte uns hungrig gemacht. Zurück im B&B also heiß geduscht, stadtfein angezogen und auf zum Dinner. Unsere Hosts hatten für uns einen Tisch reserviert im „Red Skye Restaurant“ in Breakish. Sehr gutes Essen, der Fisch war super.
Leider ging unsere Zeit auf der Insel Skye schon am nächsten Tag zu Ende.
Die Insel hat uns sehr beeindruckt. Diese raue Landschaft lässt einen spüren welche Kräfte die Erde formten und macht auch ein wenig demütig. Skye gehört ohne Zweifel zu den Höhepunkten unserer Reise.
Unser Weg von der Insel weg führte uns über die neue Brücke über den Kyle of Lochalsh zum Eilean Donan Castle. Dieses wohl meist bekannte Castle Schottlands erwartete uns mit einem Ansturm der Touri-Busse, der dem von Neuschwanstein in nichts nach stand. Das war uns dann doch zu viel Rummel, also schnell als obligatorische Kalenderfoto geschossen und dann weiter.

*

Unser Weg ging ein Stück zurück und dann auf die A 890 nach Stromeferry und von dort ein Mal rund um den Loch Carron, von dort quer rüber nach Ardarroch und zum bekannten Bealach-na Pass, einem alten Drover (Viehtreiber-) Pass der von Meereshöhe auf 630 m Höhe und nach Applecross führt. Die Passstraße ist recht steil und eng und deshalb vor allem bei Motorradfahrern bekannt und beliebt. Unterwegs machten wir Bekanntschaft mit der heimischen Tierwelt, die direkt am Straßenrad äste.

*

Oben angekommen erwartete uns kalter Wind mit ca. 2 °C gegenüber den 20°C auf Meereshöhe, Nebel und ein Teil der Lotus 7 Fahrer die in Fort Augustus nach uns das Hotel gebucht hatten. Die Abfahrt runter nach Applecross war eigentlich wunderschön, nur Renate hatte, für mich unverständliche, Bedenken hinsichtlich der Zuverlässigkeit eines Einkreis-Bremssystems, aber was sind schon 17 % Gefälle, da reicht zur Not der Absatz.

*

Wohlbehalten (wie sollte es auch sonst mit einem TR sein) in Applecross angekommen erst mal in den Inn und eine heiße Suppe genossen. Der weitere Weg entlang der Küste über Fearmore nach Shieldaig war wunderschön und wir haben, wieder ein Mal, die Landschaft sehr genossen. Leider sind wir bei Shieldaig falsch abgebogen und kamen dann zurück nach Lochcarron.
In zügiger Fahrt ging es dann über die A 832 nach Grave. Am dortigen Bahnhof legten wir eine kleine Pause in Café ein und bekamen plötzlich das Wummern kräftiger 2-Takt Diesel zu hören. Der Blick nach draußen zeigte dass ich recht hatte, 2 NOHAB Dieselloks der West Coast Railroad mit den wunderschönen Waggons des „The Royal Scotsman“ Zuges waren eingelaufen. Ich muss sagen. Sicher auch eine wunderschöne Art durch Schottland zu reisen. Doch unsere Fahrt ging weiter, das heutige Etappenziel versprach so einiges. Über die A835 ging es an Inverness vorbei auf die A 96 Richtung Nairn. Kurz hinter Nairn bei Brodie Castle links ab und durch den Ort Dyke. Dann sahen wir auch schon das, was sich für uns beide als das Highlight der Reise herausstellte.

*

Die Zum B&B umgebaute „Old Kirk“, eine ehemalige Presbyterianische Kirche von 1856, nach dem Krieg von 1947 bis in die 90`er als Kartoffelscheune genutzt, ist heute ein Kleinod.
Wir hatten, da wir ja immerhin noch auf Hochzeitsreise waren, natürlich das Zimmer mit dem Fourposterbed gebucht. Es erwartete uns nicht nur ein sehr liebenswürdiges Gastgeberpaar, sondern sogar ein frischer Strauß roter Rosen und eine Glückwunschkarte für Bride and Groom auf unserem Zimmer.

*

Erschöpft, zufrieden und glücklich haben wir die Nacht im Himmelbett verbracht.
Leider mussten wir an diesem Punkt unsere Pläne etwas ändern, da ich immer noch die Antibiotka wegen des Abszeß am Kiefer einnehmen musste. So wurde aus dem ursprünglich vorgesehenen Trip über den Whisky-Trail leider nichts. Wir sind dann am nächsten Morgen nach Elgin zu Gordon & MacPhails, dem bekanntesten Händler einheimischer Spirituosen und haben zumindest ein paar Mitbringsel in Flaschen gekauft, auf das angebotene Tasting habe ich dann dankend verzichten müssen.
Von Dyke aus machten wir dann Ausflüge in die Findhorn Bay, dort gibt’s im „The Kimberly Inn“ klasse Fisch zu essen, und entlang der Küste bis nach Fraserburgh. Teilweise führte die Straße durch schöne lichte Buchenwälder und farbenfrohe Fischerdörfer. Nach zwei wunderschönen und erholsamen Tagen mussten wir uns leider von Hilary und Herbie verabschieden. Das Versprechen wieder zu kommen haben wir gerne gegeben.
Renate hatte die letzten Tage immer wieder gesagt das sie die Highlands die man immer so im Film sieht ja noch nicht gefunden hat. Nun auf dem Weg von Dyke zu unserem nächsten Ziel hatte sie genug Gelegenheit dazu. Über die A 940 durchs Dava Moor nach Granton on Spey, von dort nach Aviemore auf die sehr gut ausgebaute A 9 Richtung Süden. Die A 9 ist nicht umsonst berüchtigt. Ich hatte teilweise das Gefühl von Geistesgestörten umgeben zu sein. Alle fuhren wie vom Teufel besessen und als ob es keinen Gegenverkehr gebe. Ein deutscher Familienvater mit Frau und 2 Kindern im untermotorisierten T 4 Bully überholte vor uns 3 LKW trotz Gegenverkehr und ist um Haaresbreite noch ungeschoren davon gekommen. Noch schlimmer waren die nicht zu erkennenden tiefen Schlaglöcher, wovon ich auf der Strecke 3 in voller Fahrt erwischte. Die Folgen davon spürten wir dann später.
Entlang des Cairgorns Nationalpark vorbei an Kingussie. Dann ein Abstecher über die A 86 nach Newtonmore, bei Laggan in einem Hofcafe nochmal tollen Carrotpie gegessen und für Renate einen schönen Schal aus schottischer Wolle gekauft und über die A 899 zurück auf die A 9 Richtung Pitlochry. Leider heute keine Zeit mehr für das wunderschöne Blair Atholl Castle, das wir nur im vorbeifahren anschauen konnten. Kurz vor Pitlochry erwartete uns der Pass of Killiecrankie mit Nebelfetzen und diesiger Sicht. Vorbei an Perth und Dunfermline näherten wir uns dem nächsten Ziel. Über die katastrophal schlechte Straßenbrücke überquerten wir den Firth of Forth und kamen nach Edinburgh. Mit einem kleinen Schlenker fanden wir unser nächstes B&B, eigentlich eher ein Hotel garni, das Kingsburgh House in der Corstophine Road im Stadtteil Murrayfield. Dort erwarteten uns neben einem etwas überladenen Zimmer mit einem weiteren Fourposter in Kingsize-Format bereits unsere englischen Freunde Denise und Nigel, die uns für dieses Wochenende eingeladen hatten und extra aus Hermitage/Reading angereist waren.
Die Lage des B&B war genial gut. Auf Empfehlung der Hosts sind wir zu Fuß entlang des River Leith in die New Town gelaufen.

*

Der asphaltierte Fußweg entlang des Flusses brachte uns auf halbem Weg zu einer kleinen Brücke von wo aus wir in wenigen Schritten die Gallery of Modern Art

*

erreichten und auch besichtigten.
Neben dem üblichen Touristenprogramm mit New Town, Old Town, Burg etc. bleibt uns ausser dem Dinner mit unseren Freunden und Blick über die ganze Stadt auf den Hafen, dem Shopping auf der Royal Mile vor allem der schöne Nachmittag im Royal Botanic Garden in Erinnerung. Hier sind auf 27 ha Erholung vom Trubel der Stadt garantiert. Wir haben dort vor allem die vielfältigen exotischen Bäume und die wunderschön gestalteten Glashäuser genossen.
Unsere 3 Tage in Edinburgh vergingen wir im Flug und nach kurzem prüfen von Öl und Wasser musste der TR am Montag wieder dran. Ab hier hatten wir nichts mehr vorgeplant und wollten die verbleibende Zeit von etwas über 2 Tagen bis zur Rückfahrt von Newcastle bei dem schönen Wetter noch ein wenig genießen. Auf Empfehlung unserer Hosts fuhren wir dann entlang der Küste ostwärts. Hier folgt ein Golfplatz auf den anderen. Gegen Mittag erreichten wir North Berwick und haben unsere ornithologischen Kenntnisse bei einem ausgiebigen Besuch des Scottish Seabird Centre aufgefrischt. Von hier kann man mit Hilfe von ferngesteuerten Kameras und Ferngläsern das Treiben auf der Felseninsel Bass Rock beobachten.

*

Vorbei an Tantallon Castle fuhren wir dann weiter entlang der Küste und fanden in Coldingham Sands das Dunlaverock House. Ein B&B der besonderen Art. Es ist ein edwardianisches Herrenhaus mit fast genauso alten Gastgebern. Die Einrichtung besteht zum größten Teil aus originalen kolonialen Möbeln dieser Zeit. Mir, als Schreinermeister mit einem Herz für Antikes, blieb der Mund vor Staunen und Bewunderung offen. Das Haus liegt wunderschön an der Steilküste oberhalb einer kleinen Bucht. Nachts hört man nur das Meeresrauschen.

*

Die Bucht ist wohl ein Treffpunkt der Surferszene, zumindest waren, egal bei welchem Wellengang, dort immer sehr viele zu sehen. Coldingham ist ein kleiner beschaulicher Ort mit einem sehr guten Pub, der Fischteller dort war einfach super, und einer Priory die in ihren Ursprüngen auf die Kreuzritter zurückgeht.

*

Am nächsten Morgen starteten wir nach einem ausgiebigen Frühstück einen kleinen Wanderausflug in das Naturschutzgebiet des St. Abbs Head. Oberhalb des beschaulichen St. Abbs wanderten wir entlang der Steilküste durch das Naturschutzgebiet, das auch ein großes Vogelreservat ist. Auf einer schmalen Klippe haben wir uns hintereinander, für nebeneinander war´s dann echt zu schmal, ins Grans gelegt und einfach nur den Rauschen der Wellen und dem Geschrei der diversen Seevögel gelauscht. Das waren wohl die entspanntesten 3 Stunden unseres Urlaubs.
Dem Abend haben wir im „The New Inn“ in Coldingham bei einem tollen Barmeal und einem Glas Cider ausklingen lassen. Die Einheimischen haben sich sehr zu unserem Vergnügen an der Bar über den „amazing TR 4 with a German registration plate„ der draußen vor der Tür steht unterhalten.
Der nächste Tag war leider schon der Tag unserer Rückreise. Wir hatten noch einen kleinen Abstecher vor, der besonderes versprach.
Bei Berwick upon Tweed überquerten wir die Grenze und verließen Schottland. Zurück in England kam nach wenigen Meilen die Abzweigung nach Holy Island. Die Insel ist über den Causeway nur bei Ebbe zu erreichen. Wir waren kurz nach Öffnung der Straße dort und in einer schier endlosen Karawane aus Autos und Bussen gefangen. Auf der Insel angekommen mussten wir außerhalb auf einem gigantischen Parkplatz für 3 £ parken und zu Fuß weiter. Dieser Sandhaufen im Wattenmeer besteht eigentlich nur aus einem auf einem kleinen Felsen errichteten Schloss

*

und den Überresten einer alten Priory. Hier soll der Sage nach die Christianisierung Englands begonnen haben. Der Ort besteht aus wenigen Häusern mit Cafes und Restaurants und hat den Charme von Drosselgasse kombiniert mit Neuschwanstein. Der Ansturm der Touristen war gigantisch, ist wohl so was wie ein Nationalheiligtum und es besteht Besuchspflicht für Engländer.
Schön war das drumherum, das Wattenmeer und die Dünen wären ein Bleiben wert gewesen, wenn nur nicht alles so überlaufen gewesen wäre.

*

An diesem Punkt waren wir fast froh nicht mehr Zeit zu haben.
In gewohnt flotter Fahrt, und natürlich offen, weiter Newcastle entgegen. Auf der vierspurigen A1 haben wir das kleine Schild zur Fähre glatt übersehen und sind mit diversen Umwegen quer durch Newcastle doch noch rechtzeitig am Fähranleger in South Shields angekommen. Auch hier gab es von den Wartenden wieder diverse Kommentaren (aha, noch einer mit MX5 Sitzen, wie sind die denn so..) und Glückwünsche zu dem schönen Auto. Das Beladen zog sich etwas, das ist wohl nach Auskunft diverser Mitreisender oft so, und wir konnten in strahlendem Sonnenschein bei ca. 25° C noch ein wenig brüten.
Mal an Bord war die Kabine schnell gefunden und nach dem Abendessen habe wir den Sonnenuntergang von der Mermaid Bar auf Deck 12 der King Seaways genossen.

*

Die Nacht auf See war ruhig und wir kamen pünktlich in Ijmuiden an.

*

Das herunterfahren von der Fähre über die diversen Rampen mit den querliegenden Stahlrippen hat den TR nochmal kräftig durchgeschüttelt und unten musste ich die letzte Rampe fast quer anfahren, sonst wären wir aufgesessen. In Holland wieder leichter Regen, deshalb Verdeck drauf und flott Richtung Heimat. Nach der Grenze habe ich die erste Tankstelle in Deutschland angefahren und mal wieder richtig gutes Super plus getankt, das Eurosuper mit 95 Oktan in Holland und auf der Insel schmeckte unserem Schätzchen nicht so gut, er hat anfang stark nachgedieselt bis ich die Zündung zurück genommen habe. Zu Hause angekommen musste ich bei der Durchsicht des Autos leider feststellen dass
37.png
an der linken Schwinge der Stoßdämpferhalter abgebrochen war. Die Schwinge war immer schon anders als die rechte, und wer weiß was in fast fünfzig Jahren da schon alles mit passierte, zumal mein Auto einen Unfallschaden hinten links hat. Gott sie Dank hatte ich rechtzeitig vorgesorgt und mein Freund Nigel hatte mir ein Jahr zuvor einen Satz Schwingen geschenkt. Dass ich den Schaden nicht bemerkte, und bis heute nicht weiß wann der Bruch genau passierte, liegt wohl daran, dass der brave TR mit uns und dem ganzen Gepäck deutlich zu viel auf der Hinterachse hatte.
Trotz allem sind wir in 17 Tagen etwas über 4.000 km gefahren und nicht ein Mal liegen geblieben. Der Ölverbrauch lag mit 0,1 Ltr für den überholten Motor sehr gut, Sprit haben wir zwischen 10 und 12 L/100 km gebraucht.
Schottland ist phantastisch. Wir haben auf dieser Reise viel, aber längst noch nicht genug, gesehen und werden bestimmt wieder kommen. Die Gastfreunschaft und Herzlichkeit der Menschen, die überwältigende Landschaft und die Geschichte dieses Landes lassen einfach keine andere Entscheidung zu.
Zum Schluß sein noch erwähnt dass ich zu Hause gleich zum Zahnarzt bin und nach einer Wurzelbehandlung mit allem drumrum meinen Abszeß wieder los wurde, aber das ist eine andere lange Geschichte.

With special thanks to:
Nigel & Denise Bennett, real friends
Dem Team von Racinggreen für die gute Arbeit
Den Riley Enthusiasts für das Raodbok das wir zum Teil übernommen haben
Allen aus dem Schottland-Form für die guten Ratschläge
All unseren Gastgegebern in Schottland.

Keep on TRiving
Claudius und Renate

[+] Übernachtungsmöglichkeiten und schöne Cafes
Und hier noch ein paar Links zu den B&B´s, schönen Cafes und Inns in der Reihenfolge wie sie im Text erwähnt sind:
https://www.rowantreecottage.com
https://www.caledonian-hotel.co.uk
https://www.glencoecafe.co.uk
https://www.skyepicturehouse.com
https://www.ellishadderartcafe.com
https://www.redskyerestaurant.co.uk
https://www.oldkirk.co.uk
https://www.gordonandmacphail.com
https://www.thekingsburgh.co.uk
https://www.seabird.org
https://www.dunlaverock.com
https://www.thenewinncoldingham.com
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.

Antworten

Zurück zu „Reisetagebücher“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast